Das Angestelltenverhältnis beim Vertragsarzt

Die Möglichkeit der Anstellung wird in zunehmendem Maße von vielen jungen Medizinern, insbesondere von Medizinerinnen in Anspruch genommen, da die Gestaltung von Arbeitszeiten flexibel und trotzdem konkret planbar ist.

Zudem werden auch immer mehr in eigener Niederlassung tätige Haus- und Fachärzte ihre Leistungspotentiale durch zusätzlich angestellte Kollegen in eigenen Praxen oder Zweigpraxen erweitern, um den Anforderungen einer flächendeckenden ambulanten Versorgung auch künftig gerecht werden zu können.

Wer als angestellter Arzt tätig werden möchte, muss zunächst - wie bei der freiberuflichen Tätigkeit - die Eintragung in ein Arztregister vornehmen lassen. Welche Schritte hierfür notwendig sind finden Sie unter dem Stichwort Eintragung ins Arztregister.

In jedem Fall ist jedoch der niedergelassene Arzt derjenige, welcher eine Anstellung beim Zulassungsausschuss beantragen muss.

Die weitere Vorgehensweise ist davon abhängig, ob der künftige Anstellungsort sich in einem für Zulassungen geöffneten oder gesperrten Planungsbereich (Landkreis) befindet.

Anstellung in einem geöffneten Planungsbereich

Wenn sich Ihr künftiger Tätigkeitsort in einem Planungsbereich befindet, in dem für Ihre Arztgruppe keine Zulassungsbeschränkungen bestehen, kann Ihre Anstellung in der Bedarfsplanung und in der Honorarverteilung klar zugeordnet werden. Der Berücksichtigungsumfang hängt von Ihrer wöchentlichen Arbeitszeit ab, welche sich in nachfolgenden Anrechnungsfaktoren widerspiegelt:

  • bis zu 10 Stunden/Woche entspricht 0,25
  • über 10 bis einschließlich 20 Stunden/Woche entspricht 0,5
  • über 20 bis einschließlich 30 Stunden/Woche entspricht 0,75
  • über 30 Stunden/Woche entspricht einer Vollzeitbeschäftigung von 1,0

Die Fachrichtung des angestellten Arztes muss nicht mit der Fachrichtung des Niedergelassenen identisch sein. Damit ist die Möglichkeit gegeben, dass der angestellte Arzt andere – auch qualifikationsgebundene - Leistungen erbringen darf, als sein Arbeitgeber. Wichtig ist nur, dass der Angestellte auch die hierfür notwendigen Qualifikationen besitzt. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Website der KV Brandenburg unter dem Stichpunkt Genehmigungspflichtige Leistungen

Die Anstellungsoptionen sind lediglich in folgenden Punkten beschränkt:

  • der Niedergelassene darf grundsätzlich nicht mehr als drei vollzeitbeschäftigte Ärzte anstellen
  • der Niedergelassene darf keinen Arzt einer Fachgruppe anstellen,
  • der ausschließlich auf Überweisungen tätig wird (und umgekehrt)

Beispiel: Ein niedergelassener fachärztlich tätiger Internist stellt einen Hausarzt in seiner Praxis an. Der Planungsbereich ist in der Arztgruppe der Hausärzte nicht von Zulassungsbeschränkungen betroffen. Der Anstellungsumfang des Hausarztes führt daher zur Erweiterung des Honorarvolumens des niedergelassenen fachärztlich tätigen Internisten und fließt in die Berechnungsmodalitäten der Bedarfsplanung ein.

Das Antragsformular und weiterführende Hinweise zur Anstellung eines Arztes in einem zulassungsfreien Planungsbereich für das Gebiet der KV Brandenburg finden Sie hier.

Ansprechpartnerin:
Geschäftsstelle des Zulassungsausschusses Tel.: 0331 2309-311
Frau Karin Rettkowski Tel.: 0331 2309-320

Anstellung in einem gesperrten Planungsbereich

Sollte sich Ihr künftiger Beschäftigungsort in einem zulassungsgesperrten Bereich befinden, so ist Ihre Anstellung lediglich im sogenannten Job-Sharing möglich. Hierfür ist die Fachgebietsidentität zwischen dem anstellenden und dem angestellten Arzt vorgeschrieben. Darüber hinaus ist die Beschäftigung immer an die gültige Zulassung des anstellenden Arztes gebunden.

Der anstellende Arzt muss sich gegenüber dem Zulassungsausschuss verpflichten, den bisherigen Leistungsumfang seiner Praxis nicht wesentlich zu überschreiten. Dies erfolgt durch die Festlegung und Anerkennung einer entsprechenden Obergrenze, die auf Grundlage der Leistungserbringung der letzten vier Quartalen in der Praxis und eines Zuschlags von 3% des Abrechnungsvolumens der Fachgruppe aus dem Vorjahresquartal errechnet wird.

Zwar ist die Anstellung im Job-Sharing durch den stringenten Fachgruppenbezug, die fehlende Berücksichtigung bei der Honorarverteilung sowie der Nichtanrechnung in der Bedarfsplanung stark reglementiert und für ein längerfristiges Beschäftigungsverhältnis eher ungeeignet, allerdings bieten sich dadurch auch einige Vorteile. Zum einen entfällt bei der Aufhebung der Zulassungsbeschränkungen umgehend die Leistungsbegrenzung der Praxis, sofern keine weiteren zugelassenen Job-Sharer oder länger angestellten Ärzte im Planungsbereich vorhanden sind.

Zum anderen ergibt sich bei der Nachbesetzung einer ausgeschriebenen Vertragsarztpraxis für einen darin angestellten Arzt ein wichtiger Vorteil. Sofern mehrere Bewerbungen für die Übernahme des ausgeschriebenen Vertragsarztsitzes vorliegen, muss der Zulassungsausschuss eine Auswahlentscheidung innerhalb dieses Personenkreises vornehmen. Der Umstand, dass ein Arzt bereits in der Praxis des Abgebenden als Angestellter mit ihm gemeinsam gearbeitet hat, vermindert das Risiko einer unklaren Mitbewerbersituation und des Zuschlages der Zulassung an einen anderen Arzt deutlich. Näheres zum Nachbesetzungsverfahren finden Sie unter Bewerbung um einen ausgeschriebenen Vertragsarztsitz

Das Antragsformular und weiterführende Hinweise zur Anstellung eines Arztes mit Leistungsbeschränkung für den Bereich der KV Brandenburg finden Sie hier.

Ansprechpartnerin:
Geschäftsstelle des Zulassungsausschusses Tel.: 0331 2309-311
Frau Karin Rettkowski Tel.: 0331 2309-320